Die Situation junger Menschen mit Autismus in KiTa und Schule

Die KiTa: eine wichtige Weichenstellung zur Inklusion

Obwohl eine Autismus Spektrum Störung angeboren ist, erfolgt auch heute noch eine entsprechende Diagnose oft erst Jahre nach dem Auftreten von Auffälligkeiten. Diese werden oft zum ersten Mal in der KiTa bemerkt, wenn sich das Kind „anders“ verhält, z.B. nicht am Spiel der Anderen beteiligt, sich monoton immer wieder mit demselben Spielzeug beschäftigt (z.B. stereotyp am Rad eines Spielzeugautos dreht) oder auf Reizüberforderung mit problematischem Verhalten reagiert. Deshalb kommen hier dem aufmerksamen Blick der ErzieherInnen und einer guten Kooperation mit dem Elternhaus eine sehr große Bedeutung zu. So kann ggf. den Eltern geraten werden, fachkundigen Rat einzuholen. Da es gerade im frühen Kindesalter selbst für Fachleute meist schwierig ist, eine Autismusdiagnose von anderen Erscheinungsbildern, z.B. ADHS oder geistiger Behinderung, abzugrenzen, ist eine sorgfältige fachärztliche Diagnostik durch einen Kinder- und Jugendpsychiater zu empfehlen.

Damit ein autistisches Kind sich in der KiTa gut entwickeln kann und das Miteinander in der Gruppe gelingt, kommt es wesentlich auf die entsprechenden Rahmenbedingungen an. Gemeinsam mit einer autismuskundigen Fachkraft, die zu dem Kind eine positive Vertrauensbasis aufgebaut haben muss, können z.B. überfordernde Reize dingfest gemacht und reduziert werden, es kann herausgefunden werden, welche Faktoren ein Abwehrverhalten auslösen, und wie ein gemeinsames Spiel der Kinder angebahnt und gefördert werden kann.

Denn je weniger die behinderungsbedingten Bedürfnisse eines autistischen Kindes erkannt und berücksichtigt werden, umso stärker sind im Gruppenalltag einer KiTa Verhaltensweisen wie Aggressionen oder extremer Rückzug vorprogrammiert. Positiv formuliert kann man sagen, dass die KiTa-Zeit für ein autistisches Kind bei konstruktivem Zusammenwirken von Elternhaus, ErzieherInnen und Autismusfachkräften eine wertvolle Basis und Weichenstellung für seine weitere Entwicklung ist und darüber hinaus auch für die nicht behinderten Kinder förderlich ist im Sinne eines vorurteilsfreien Sozialverhaltens.

Das ATZ Rhein-Wupper will durch die individuelle Arbeit mit dem autistischen Kind, durch Unterstützung der Eltern sowie durch Beratungsangebote innerhalb der KiTas seinen Beitrag leisten zu einer auf Inklusion ausgerichteten Elementarerziehung.

Noch immer erweist sich unser Schulsystem für autistisch behinderte junge Menschen als sehr schwierig.

Wenn die Eltern nach einer für ihr Kind geeigneten Schule Ausschau halten, müssen sie feststellen, dass das Schulsystem auch heute noch den spezifischen Bedürfnissen von Kindern aus dem Autismus Spektrum wenig gerecht wird.

Dies zeigt sich schon bei der Suche nach der am besten geeigneten Schule. Ganz unabhängig von der Frage, ob die Eltern sich für einen Regel- oder einen Förderschulbesuch ihres Kindes entscheiden, treffen sie auf Schulen, in denen die pädagogischen Profile, die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft und die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich auf die Bedürfnisse autistischer Kinder einzulassen, äußerst unterschiedlich sind.

Schwierig wird es weiterhin, wenn bei einem Kind mit dieser Diagnose ein Förderbedarf festgestellt werden soll. Die Feststellung des Förderbedarfs ist zum einen erforderlich, wenn das Kind eine Förderschule besuchen soll, zum anderen aber auch, wenn der inklusive Unterricht in einer Regelschule gewählt wird. Da der Autismus keinen eigenen Förderschwerpunkt darstellt, muss das Kind nun in einem gesetzlich festgelegten Verfahren einem der definierten Förderschwerpunkte (z.B. für Hör-, Sprach-, Geistige- oder Lernbehinderung) zugeordnet werden, was die spezifischen Bedürfnisse, die der Autismus mit sich bringt, natürlich nur unzureichend erfasst.

Im Schulalltag stellt sich dann sehr oft heraus, dass in den meisten Schulen – ob Förder- oder Regelschulen – die pädagogischen Konzeptionen sowie die räumlichen und sächlichen Ausstattungen fehlen, die erforderlich wären, damit Kinder mit einer Autismus-Diagnose ihre Anlagen und Fähigkeiten wie andere Kinder entfalten können. Hinzu kommt, dass sie aufgrund ihres Andersseins oft von MitschülerInnen gehänselt und Mobbingopfer werden. Auch den Lehrkräften ist dieses Behinderungsbild nicht so vertraut, so dass sie z.B. über Nachteilsausgleich im Unterricht, bei Klassenarbeiten und in Prüfungen nicht ausreichend informiert sind.

Der Schulbesuch ist also auch heute noch ein massives Problem für die Kinder und Eltern, aber auch für die fachlich und aufgrund fehlender Rahmenbedingungen überforderten Lehrkräfte.

Im Autismus-Therapie-Zentrum Rhein-Wupper sehen wir deshalb hier einen wichtigen Schwerpunkt unserer Arbeit. Durch gezielte therapeutische Arbeit mit den autistischen jungen Menschen, durch Kooperation mit den Lehrkräften, durch Informationsveranstaltungen, Beratungs- und Fortbildungsangebote und durch den Einsatz von Schulassistenz bemühen wir uns, Hilfestellungen in schwierigen Situationen zu geben.

 

Weitere Infos:
Vortrag der Bezirksregierung Düsseldorf zum Downloaden: Gemeinsames Lernen