Aufregende Zeiten — Bericht einer Mutter

Am 08.09.1993 wurde unsere zweite Tochter Lena geboren. Die Freude war groß, doch schon bald sollte sich herausstellen, dass sich unser Leben sehr viel turbulenter als vermutet gestalten würde.

Da Lena gleich nach der Geburt neurologisch auffällig war, begann eine endlose Odyssee zu Ärzten und anderen Experten. Obwohl ich schon in der Schwangerschaft eine Fruchtwasseranalyse hatte machen lassen, wurde als erstes eine Chromosomenanalyse veranlasst, die, wie zu erwarten, natürlich unauffällig war. Um der „Krankheit“ meines Kindes einen Namen zu geben, nahmen wir jede Gelegenheit für eine neue Untersuchung wahr, begleitet von Krankengymnastik, Frühförderung, Ergotherapie usw…

In einem Buch über Autismus fand ich dann ein Behinderungsbild, das in mancher Hinsicht auf Lena zutraf, und gleichzeitig die Anschrift vom Autismus-Therapie-Zentrum in Hilden. Ich nahm zu diesem Elternverein Kontakt auf, und seitdem unterstütz Frau Doebler, die pädagogische Leiterin des Zentrums, unser Kind mit großem Einfühlungsvermögen. Frau Doebler bestellt nicht mich und mein Kind in ein für uns fremdes Gebäude, sondern kommt zu uns, versucht also vor Ort in der konkreten Situation Hilfen zu geben. Anfangs war es für beide nicht leicht. Doch mit unendlicher Geduld suchte und fand Frau Doebler Zugang zu Lena. Und heute ist der Besuch ihrer “großen Freundin” immer das große Highlight der Woche. Aber nicht nur Lena profitiert von der Therapie. Im Anschluss an die heilpädagogische Arbeit findet regelmäßig ein Elterngespräch statt, in dem Probleme, aber auch Entwicklungsschritte, besprochen werden. Diese Gespräche mit einer Therapeutin, die täglich mit autistischen Menschen zu tun hat, sind für uns im Umgang mit Lena und ihrer Umwelt sehr wichtig und haben uns gezeigt, dass wir ganz natürlich und unbefangen an fast allen Lebensbereichen teilnehmen können, weil wir nicht alleine sind.

Inzwischen ist Lena 16 Jahre alt und macht immer noch weitere Fortschritte. Besonders freut uns, dass sie gelernt hat, sich mit der Gebärdensprache zu verständigen.

Lena brauchte immer viele körperliche Reize! Schon bald fand sie großen Spaß, auf dem Ball zu sitzen und hin- und herbewegt zu werden.